
Totholz, Steine und Stubbenwälle
Kleine Strukturen mit großer Wirkung
Was auf den ersten Blick wie ein einfacher Holz- oder Steinhaufen aussieht, ist in Wirklichkeit ein wertvoller Lebensraum.
Im Rahmen des Projektes Neues Werk Cottbus ist der Schutz wertvoller Lebensräume ein wichtiger Bestandteil der Artenschutzmaßnahmen. Im Umfeld des Cottbuser Ostsees wurden im Zuge einer Ausgleichsmaßnahme Totholzhaufen, Stubbenwälle und Steinhaufen als strukturreiche Lebensraumelemente angelegt. Sie bieten insbesondere der geschützten Zauneidechse wertvolle Rückzugsorte und leisten zugleich einen Beitrag zur Förderung der biologischen Vielfalt.
Die Zauneidechse bevorzugt warme, offene und abwechslungsreich strukturierte Lebensräume. Als wechselwarmes Reptil ist sie auf sonnige Plätze angewiesen, an denen sie ihre Körpertemperatur erhöhen kann. Holz und Steine erwärmen sich bei Sonneneinstrahlung und schaffen geeignete Sonnenplätze. Gleichzeitig bieten Zwischenräume, Hohlstellen und Wurzelbereiche Schutz vor Fressfeinden und ungünstigen Witterungsbedingungen. Je nach Ausgestaltung können die Strukturen auch als Verstecke oder Überwinterungsplätze dienen. In Verbindung mit offenen Flächen und geeigneten Bodenbereichen entsteht so ein vielfältiges Lebensraummosaik, das den Bedürfnissen der Zauneidechse entgegenkommt.
Doch die ökologischen Vorteile von Totholz reichen weit über den Schutz dieser Reptilienart hinaus. Totholz ist ein bedeutender Lebensraum für zahlreiche Organismen. Verschiedene Käferarten entwickeln sich im abgestorbenen Holz, während Wildbienen und Wespen Totholz je nach Art als Nistplatz oder Baumaterial nutzen können. Auch Pilze und weitere Kleinstlebewesen besiedeln das Holz und tragen zu seiner Zersetzung bei. Dabei werden Nährstoffe wieder freigesetzt und dem natürlichen Stoffkreislauf zugeführt. Im Laufe der Zeit entsteht Humus, der die Bodenentwicklung unterstützt. Darüber hinaus kann Totholz Wasser speichern und das Mikroklima in seiner unmittelbaren Umgebung beeinflussen.
Von der Vielfalt an Insekten und anderen Kleintieren profitieren wiederum zahlreiche Vogelarten, für die sie eine wichtige Nahrungsquelle darstellen. Totholzhaufen und Stubbenwälle fördern damit nicht nur einzelne Arten, sondern schaffen Lebensgrundlagen für vielfältige ökologische Beziehungen. Sie tragen dazu bei, die Artenvielfalt zu erhöhen und natürliche Prozesse zu unterstützen, die für ein stabiles und widerstandsfähiges Ökosystem wichtig sind.
Die am Rand angeordneten Holz- und Steinstrukturen erfüllen an der Binnendünne zusätzlich eine Funktion für den Schutz der Flächen. Als sichtbare Abgrenzung können sie dazu beitragen, empfindliche Lebensräume vom Publikumsverkehr zu trennen und Besucherinnen und Besucher auf die vorgesehenen Wege zu lenken. Auf diese Weise unterstützen sie den Schutz der Tiere und ihrer Lebensstätten und helfen, Naturschutz und Erholungsnutzung miteinander in Einklang zu bringen.
Die Artenschutzmaßnahme im Zusammenhang mit dem Projekt Neues Werk Cottbus zeigt, wie durchdachte Ausgleichsmaßnahmen ökologische Mehrwerte schaffen können. Was auf den ersten Blick wie eine Ansammlung von Holz, Wurzeln und Steinen erscheint, entwickelt sich zu einem wertvollen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. So leisten die Strukturen am Cottbuser Ostsee einen Beitrag zum Schutz der Zauneidechse, zur Förderung der biologischen Vielfalt und zum Erhalt wichtiger natürlicher Funktionen.


