Neuartige Gleisgrubenabdeckung

31.08.2026

Mit intelligenten Shuttles sicher und flexibel unter den ICE

Eine neuartige Gleisgrubenabdeckung, kurz NGA, soll die Arbeiten an ICE-Zügen in der Werkstatt künftig flexibler und effizienter machen. Entwickelt und gefertigt wird das System von der Firma Büter aus Meppen an der niederländischen Grenze. Zum Einsatz kommt die innovative Lösung in drei IS700-Gleisen. Das Besondere: Die Abdeckung der Gleisgruben lässt sich nicht nur öffnen und schließen, sondern abhängig vom jeweiligen ICE und den anstehenden Arbeiten gezielt verfahren. Auch sind die Abdeckungen begehbar und mit bis zu 36 Tonnen befahrbar.

Herzstück des Systems sind sogenannte Shuttles. Pro Gleis stehen sechs dieser elektrisch angetriebenen Einheiten zur Verfügung. Sie bewegen sich zwischen den Gleisträgern unterhalb der eigentlichen Gleisgrubenabdeckung. Dadurch können die Gleisgrubenabdeckungen flexibel entlang des Gleises positioniert werden. Je nachdem, welcher ICE im jeweiligen Gleis steht und an welcher Stelle die Mitarbeiter Zugang zur Gleisgrube benötigen, können die Shuttles unterschiedliche Fahrmuster ausführen und die Abdeckung entsprechend anpassen.

Das Prinzip dahinter ist technisch vergleichsweise einfach, aber wirkungsvoll. Soll eine Abdeckplatte bewegt werden, fahren an dem Shuttle vier Hubzylinder aus. Dadurch wird die eigentliche Abdeckung, die bei der Anlage gut sichtbar durch die gelben Platten gekennzeichnet ist, um wenige Millimeter angehoben. Dieser kleine Hub reicht aus, um die Abdeckung von ihrer Auflage zu lösen. Anschließend kann das Shuttle die Abdeckung entlang des Gleises verfahren. Ist die gewünschte Position erreicht, wird die Abdeckung wieder abgesenkt und sie liegt wieder sicher auf ihrer vorgesehenen Auflage auf.

Für die Mitarbeiter in der Werkstatt bedeutet dieses Verfahren eine deutliche zusätzliche Flexibilität. Statt die Abdeckungen aufwendig von Hand bewegen zu müssen, können die benötigten Bereiche der Gleisgrube gezielt freigelegt werden. Gleichzeitig bleiben andere Bereiche abgedeckt. Die Abdeckung lässt sich damit an die jeweilige Situation und insbesondere an den im Gleis stehenden ICE anpassen.

Auch bei der Bedienung setzt die NGA auf moderne Technik. Während der ersten Erprobungen konnten die Shuttles unter anderem über eine Fernbedienung gesteuert werden. Für den späteren Einsatz ist vorgesehen, dass die Werker die Anlage auch über ein Tablet bedienen können. Die Kommunikation erfolgt dabei über WLAN und ein 5G-Modul. Damit können die Mitarbeiter die Bewegungen der Shuttles flexibel aus der Werkstatt heraus vorgeben und die Abdeckungen dort positionieren, wo sie für die jeweiligen Arbeiten benötigt werden.

Die Shuttles selbst arbeiten batteriebetrieben. Dadurch sind sie unabhängig von einer permanenten Energiezuführung während des Verfahrens. Für die Batterien sind entsprechende Ladestationen vorgesehen. Wie lange die Shuttles mit einer Batterieladung betrieben werden können, hängt vom konkreten Einsatz und der Häufigkeit der Fahrbewegungen ab und wird sich insbesondere im späteren Betrieb zeigen.

Wie das System in der Praxis funktioniert, konnte bereits bei der ersten Probefahrt der NGA demonstriert werden. Dabei bewegten sich die Shuttles unterhalb der Abdeckplatten entlang des Gleises, hoben die gelben Platten über ihre vier Hubzylinder leicht an und verfuhren sie anschließend in die jeweils vorgesehene Test-Position. Die vorhandenen Foto- und Videoaufnahmen vermitteln dabei einen guten Eindruck davon, wie die einzelnen technischen Komponenten zusammenspielen.

Im Ergebnis helfen die NGAs dem Werk Cottbus dabei, das rund 500 Meter lange Gleis multifunktional zu nutzen und hinsichtlich der verschiedenen ICE-Baureihen flexibel zu bleiben.