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09.01.2026

Elektrische Ausrüstungstechnik in der Bahn – Wie die Oberleitung den Zug in Bewegung bringt

Wenn wir in Deutschland mit der Bahn unterwegs sind, denken die meisten beim Wort „Elektrifizierung“ vor allem an die Oberleitung über den Gleisen. Doch hinter dieser scheinbar simplen Konstruktion steckt hochkomplexe elektrische Ausrüstungstechnik, die dafür sorgt, dass Züge zuverlässig, sicher und effizient mit Strom versorgt werden.

Die Ausrüstungstechnik spielt im Bahnbetrieb eine entscheidende Rolle, auch wenn sie für die meisten Reisenden kaum wahrnehmbar ist. Sie umfasst alle technischen Anlagen, die notwendig sind, um elektrische Energie für den Zugverkehr bereitzustellen, zu verteilen und sicher zu übertragen. Dazu gehören Unterwerke, Schaltanlagen, Fahrleitungen und die dazugehörigen Tragekonstruktionen. Besonders ins Auge fallen dabei die Oberleitungsmaste, die entlang der Gleise stehen und die elektrische Infrastruktur sichtbar machen.

Oberleitungsmaste an der neuen Abstellanlage am Heizkraftwerk Cottbus

Oberleitungsmaste an der neuen Abstellanlage am Heizkraftwerk Cottbus

Diese Maste tragen die Oberleitung, über die die Züge ihren Fahrstrom beziehen. Der Strom fließt dabei durch den sogenannten Fahrdraht, den der Stromabnehmer des Zuges während der Fahrt berührt. Damit der Kontakt auch bei hohen Geschwindigkeiten konstant bleibt, muss der Fahrdraht mit hoher Präzision gespannt und ausgerichtet werden. Hier kommen die Oberleitungsmaste ins Spiel: Sie halten die Leitungen in der richtigen Höhe und Neigung, nehmen mechanische Zugkräfte auf und sorgen dafür, dass die gesamte Konstruktion stabil bleibt – bei Wind, Wetter und Temperaturunterschieden.

In engen Kurven wird der Mastabstand verringert. Bei Brücken wird entweder das Kettenwerk abgesenkt oder Brückenausleger verwendet, in Tunneln gibt es entweder Oberleitungsstromschienen oder Tunnelausleger, um die Tunnelhöhe und damit die Kosten möglichst gering zu halten.

Die Positionierung der Oberleitungsmaste erfordert höchste Genauigkeit. Jeder Mast wird vermessen und so gesetzt, dass der Fahrdraht genau in der Spur des Stromabnehmers liegt. Schon kleine Abweichungen könnten zu Funkenbildung oder Störungen im Stromfluss führen. Daher arbeiten Ingenieure und Monteure der Deutschen Bahn bei der Planung und Montage dieser Anlagen mit modernster Vermessungstechnik und strengen Qualitätsstandards.

Ein wichtiger Punkt bei der Oberleitung ist der sogenannte Zick-Zack-Verlauf. Das bedeutet: Der Draht über dem Gleis hängt nicht schnurgerade, sondern verläuft leicht abwechselnd nach links und rechts. Das ist kein Zufall, sondern so gewollt.

Der Grund dafür ist der Stromabnehmer auf dem Zug. Er hat unten eine breite Kontaktfläche, die sogenannte Schleifleiste. Über sie nimmt der Zug den Strom aus der Oberleitung auf. Durch den Zick-Zack-Verlauf berührt der Draht diese Schleifleiste immer an leicht unterschiedlichen Stellen. So nutzt sich die Kontaktfläche gleichmäßig ab und nicht nur an einer einzigen Stelle.

Schematische Abbildung Aufbau Oberleitung
Schematische Abbildung Aufbau Oberleitung

Wäre der Draht immer genau an derselben Stelle, würde sich die Schleifleiste dort schnell abnutzen. Das würde zu häufigerem Verschleiß und mehr Wartungsaufwand führen. Der Zick-Zack-Verlauf sorgt also für eine längere Lebensdauer und einen sicheren Stromkontakt – auch bei hohen Geschwindigkeiten.

Dabei ist große Genauigkeit wichtig. Der Draht darf den Stromabnehmer nur innerhalb der Schleifleiste berühren. Trifft er daneben, entstehen Funken und der Strom fließt nicht mehr zuverlässig. Deshalb wird die Lage der Oberleitung sehr genau geplant, vermessen und beim Bau streng kontrolliert.

Trotzdem nutzen sich Stromabnehmer und Schleifleisten mit der Zeit ab. Besonders bei schnellen Zügen wie dem ICE müssen sie regelmäßig geprüft und ausgetauscht werden. Das passiert in speziellen Instandhaltungswerken – zum Beispiel im neuen Werk Cottbus. Dort werden die Stromabnehmer moderner Züge gewartet und erneuert. So zeigt sich, wie wichtig das Zusammenspiel zwischen der Technik entlang der Strecke und der Arbeit im Werk ist.

Beim Projekt Neues Werk Cottbus werden insgesamt 400 Oberleitungsmaste verbaut, vor allem Flach- und Winkelmaste.

Gleisbereich Nördlicher Bahnhof - Cottbus
Gleisbereich Nördlicher Bahnhof - Cottbus
Gleisanlagen rund um das Neue Werk Cottbus
Gleisanlagen rund um das Neue Werk Cottbus